Sunday Funday
Treffe die Sängerin Ilana, die zwecks Ausbildung mal für paar Jahre nach Erlangen gezogen ist. Gehen am Gemeindehaus Bohlenplatz vorbei, als Ilana sagt: “Ich wohne gern in dieser Gegend, auch wegen dem schönen Park hier.”
Park? So hatte ich das noch nie gesehen. Für mich war das einfach nur ein Grünstreifen zwischen zwei Straßen für die Hunde aus der Nachbarschaft. Aber sie hatte Recht: Es war genau genommen ein Park. Und nicht mal ein schlechter.
Alles ist relativ. Und die Definitionsgrenzen sind fließend. Ab wann ist man ein Park? (Und ich rede nicht von Junkies im LSD-Rausch.) Ich würde sagen, alles was grün ist und sich Park nennen will, darf das auch. Ein Reihenhausvorgarten kann ein wunderschöner Park sein. Und der Rentner, der in diesem auf einer weißen OBI-Plastikbank sitzt, ist somit ein Parkwächter.
Kann sogar ein Quadratzentimeter-großes Fleckchen Grün ein “Park” sein? Im Prinzip ja, es kommt auf den Betrachter an. Für eine Mikrobe auf einem Grashalm ist das der “Central Park”. (Menschen sind nur eine Minderheit auf diesem Planeten und sollten deshalb nicht alles aus ihrem Blickwinkel sehen. Hug (nicht die HUK-COBURG), der Oberlehrer hat gesprochen.)
Wir laufen weiter, da macht es “Knirsch” unter meinem Fuß. Ich denke: “Nein, bitte keine Schneckenhaus mit Schnecke drin.” Deshalb setze ich schon zum “Finalen Totes-Tritt” an, um die arme Schnecke von ihrem Leid zu erlösen. Aber ich erblicke zu meiner Freude nur das zerquetschte “Plastikhaus” eines McSundae-Eisbechers. Was für ein Glückstag. Ja, ich definiere Glück als die Abwesenheit von Unglück.
Wir kommen an Ilanas Auto vorbei. Aus CHAM. Ich: “In Erlangen gibt´s ganz viel Autos mit dem Nummernschild CHA.” Ilana (etwas ungläubig): “Ist mir noch gar nicht aufgefallen.”
Entweder gibt es in Deutschland 15 Millionen Autos aus “CHA”, so dass diese einfach überall in Deutschland in großer Zahl anzutreffen sind oder die wenigen, die es gibt, haben alle das gleiche Ziel: Erlangen.
Wie übrigens auch die VW Beetles, die im Moment in großer Zahl Erlangen “invasieren” in allen Farben: Schwarz, Blau, Rot, Silber, Gelb, eine Mehrzahl mit “ausländischem” Kennzeichen (alles außer ER). Von was die sich wohl ernähren? Vielleicht von Fiat Pandas, von denen sehe ich nämlich immer weniger.
Monaco hat die höchste Rolls-Royce-Dichte, Erlangen die höchste Beetle-Dichte und mein Zimmer die höchste Motten-Dichte *angeb*.
Als ich Ilana verabschiede, lenke ich ihren Blick nochmal kurz auf ein Auto neben uns: “CHA - HZ 43″.
Radel heim. Auf halbem Weg bricht ein Gewitter mit mächtigem Sturm herein. Seit wann verläuft hier die Hurricane Alley? Ist die nicht im Mittleren Westen der USA?
Wo unterstellen? Schnell! Busse sind dafür ideal, außer dass sie sich bewegen. Also rein. Wieso den Fahrpreis zahlen? Ich will doch gar nicht fahren, nur unterstellen. Zahle doch, bevor ich noch bei Gewitter rausgeschmissen werde.
Genau mir gegenüber setzt sich eine junge Dame, die einem Männermagazin entsprungen zu sein scheint. Für mich also beste Aussicht. Die Bus-”Eintrittskarte” hat sich jetzt in jedem Fall gelohnt. Ganz nach dem Motto: “Bei Bus und Bahn sitzen Sie in der ersten Reihe.”
Entdecke an ihr einen MP3-Player. Weil ich auch so einen brauch, frage ich sie nach der Bezugsquelle etc. Ein kleines nettes Gespräch, dann steigt sie aus (nicht wegen intellektueller Überforderung, sondern wegen der Haltestelle).
Ein Schelm, wer denkt, der MP3-Player war nur ein Vorwand. Alle Schelme mögen mir MP3-Player zuschicken und ich beweise diesen meine aufrichtige Gesinnung, indem ich diese nicht zurückschicke.
Im Bus schauen mich auf einmal lauter Jungs in Schlapperhosen so komisch an. Als wär ich ein Tier vom anderen Stern oder so.
Bis dann einer rausrückt: “Kanntest du die zuvor schon?”
Ich: “Nö”.
Ein anderer: “Respekt, das war mutig und professionell, Alter.”
Jetzt kapier ich erst: Die haben mir grad den Titel “Flirt-Profi” verliehen (nicht ganz abwegig mit meinem Waage-Aszendenten). Heiße jetzt:
Fp. Michael Wilfer
Schön, jetzt hab ich endlich mal einen Titel. Klingt gut und exotisch. Als hätte ich meine Promotion im Libanon oder so absol4t. Bin jetzt sozusagen staatlich anerkannter Flirtprofi und die Jury bestand aus keinen geringeren als fünf 14-jährigen Popper-Pimps.
(Was muss man tun, um einen Doppel-Fp. zu erwerben? Doppelqualifikationen kommen nämlich immer gut. Also:
Fp. Fp. Michael Wilfer
Antwort:
Man muss auch das andere Geschlecht genauso professionell anmachen.
Ah, ich glaub, ein Titel reicht mir.)