Von Vorkostern und fast kriminellen Vereinigungen

In meinem Posting “Woran merkt man, dass Deutschland pleite ist?” empfehle ich das Buch “Ist Deutschland noch zu retten?”. Gibt´s übrigens auch als Hörbuch.

Und Stefan F. fragt mich dazu in einem Kommentar: “Weswegen empfiehlst du das Buch?”

In Anbetracht der Dringlichkeit und Brisanz dieses Gesuchs wähle ich für die Antwort gleich die mediale Form des Postings (statt Kommentars).

Stefan, deine Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, wenn man das Buch nicht gelesen hat. :-)

Ich empfehle nämlich gern von mir ungelesene Bücher, damit sie andere lesen und mir dann vom Inhalt berichten (literarische Vorkoster). Ist eine angenehmere Informationsaufnahme als das Selberlesen/-durchquälen.

Irgendein amerikanischer Nobelpreisträger sagte mal: “Ich lese nichts Fachfremdes. Alles, was in der Welt passiert und was wichtig zu wissen wäre, erfahre ich durch die Gespräche meiner Kollegen am Essenstisch in der Mensa.”

Ulk beiseite. Ich hab die “Verfilmung” des Buches auf BR-alpha gesehen: klasse. Ich kann jetzt nur sagen, was in dieser Diskussionsrunde im TV besprochen wurde.

Es wurde erzählt, wieso mit es mit Deutschland bergab geht.

Welchen Anteil daran die Fehler bei der Wiedervereinigung haben, vor allem von
Kohl, der Treuhand und den Gewerkschaften.

Es hätten tatsächlich blühende Landschaften werden können, aber nur wenn man Naturgesetze befolgt hätte: Jede junge Volkswirtschaft muss mit günstigen Löhnen starten als Katalysator für den angestrebten Aufschwung. Nur so fließen Investitionen aus Aus- und Inland.

Später in der Reifephase steigen die Löhne automatisch. Wenn aber ein Kleinkind das Krabbelstadium überspringen und gleich losrennen will, das fällt eben auf die Schnauze. Blöd nur, dass es bei manchen Sachen im Leben keine zweite Chance gibt. Auch für die neuen Bundesländer nicht.

Dort herrscht jetzt eine Abwanderungswelle vor allem junger Frauen in den Westen. Die (Wieder-)Vereinigung findet immer mehr auf westdeutschem Boden statt. So hatten sich das Kohl & Konsorten wohl nicht vorgestellt. Die Devise lautet jetzt wieder: “Let´s go West”. Und ein “Brain Drain” könnte folgen.

Irland dagegen wuchs in den letzten Jahrzehnten im Einklang mit dem wirtschaftlichen Naturgesetzen auf und erntete einen außerordentlichen Boom (auch mit Hilfe von EU-Geldern, also im Endeffekt mit Deutschlands Hilfe). Einen Aufschwung, den auch die neuen Bundesländer haben hätten können, wenn ihnen nicht die Westbürokraten die Chance dazu genommen hätten.

Weitere Inhalte der Sendung (und wahrscheinlich des Buches):

Wie die Treuhand, eine fast kriminelle Vereinigung, das Volkseigentum der DDR-Bürger an Westfirmen buchstäblich verschenkte.

Wieso die Renten in Deutschland in Zukunft nicht sicher sein können:

Deutschland war das Land, das unter Bismarck das erste Rentensystem der Welt einführte. Deshalb ist Deutschland jetzt auch das erste Land, das die Auswirkungen des Rentensystems spürt: mit die geringste Geburtenrate pro Frau in der Welt.

Es tickt eine demographische Zeitbombe, die nicht entschärft werden kann. Gegenmaßnahmen jetzt würden erst in vielen Jahrzehnten Wirkungen zeigen.

So viele junge Ausländer(innen) wie zur Verjüngung auf ein normales Maß nötig wären, könnte Deutschland aus vielen anderen Gründen gar nicht aufnehmen. Es werden die negativen Auswirkungen dieser Demographie-Veränderungen auf verschiedene Bereiche erläutert.

Weiter:
Im deutschen Niedriglohnsektor tritt der Staat mit seinen Transferzahlungen (Sozialhilfe etc.) als Konkurrent auf, was der Wirtschaft schadet.

Deutschland lebt nur noch von der Substanz, auch wenn die Fassaden noch gut aussehen. Aber das ist nur eine Art Matrix, eben nur Potemkinsche Dörfer.

Weiteres Thema: Globalisierung.
Wieso jetzt die Chinesen ihr Wirtschaftswunder gekriegt haben und sich Deutschland nicht zu beschweren braucht.

Es werden Lösungsmöglichkeiten für viele Probleme diskutiert (z.B. Kombi-Lohn), aber auch erörtert, wieso man mit einem demokratischen System große Probleme, die erst später als eine Legislaturperiode entfernt brisant werden, oft nicht verhindern/lindern kann.

Beispiel: Die Renten müssten gekürzt werden, um dieses Geld in Zukunftssicherungsmaßnahmen umzuverteilen, um die junge Generation zu entlasten.

Aber da die Betroffenen (Rentner) in Deutschland einen immer größeren Bevölkerungsanteil ausmachen, wird es für sinnvolle aber wie immer unpopuläre Entscheidungen keine Mehrheiten in der Politik geben: Rentner wählen keine Parteien, die Renten kürzen wollen.

Demokratische Systeme sind das Beste, was es im Laden “Staatsformen aller Art” zu erwerben gibt.

Nichtsdestotrotz haben sie viele systemimmanente Fehler, die kein sinnvolles nachhaltiges politsches Handeln erwarten lassen. Siehe dazu auch meine Ausführungen in AusgeMERKELt.

One Response to “Von Vorkostern und fast kriminellen Vereinigungen”

  1. stinkstiefel meint:

    Man du bist ja fast so gut wie ich - aber das ist doch alles ein alter Hut… darüber rege ich micht nicht mehr auf. Ich denke immernoch, dass wir selbst zu dumm für den erfolg sind uns erstmal richtig auf die Schnautze fallen müssen - RICHTIG… Schon aufgefallen, dass sich jeder Deutsche nach dem wohligen Heim sehnt? Bei diesem Polizeistaat, wie er gefordert wird, kein wunder… Und was kam dann? na ratet mal….

    http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4rzrevolution

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