Die Macht der Balkendiagramme
“Und wenn man seine Weisheit noch in ein 3d-Torten-Diagramm verpackt ist man praktisch unverwundbar.” - so schrieb Ratilius in seinem Kommentar auf mein Posting “Wie macht man eigentlich…… einen Gottesbeweis!?” - und das stimmt wirklich…!
Da man in der Psychologie (die - entgegen landläufiger Vorurteile - keine reine Geisteswissenschaft wie die Philosophie ist, sondern eine empirische Wissenschaft, die in dieser Form ohne Statistik nicht denkbar wäre) permanent mit so etwas zu tun bekommt, kriegt ihr heute mal ein Beispiel dafür, was man mit einem Diagramm so alles machen kann.
Wir betrachten folgende imaginäre Studie: Es existieren zwei Gruppen von Berufstätigen, deren Lebenszufriedenheit man erfasst hat (nehmen wir mal an, man hat sie gebeten, diese auf einer Skala von 1 (niedrigster Wert) bis 10 (höchster Wert) anzugeben - normalerweise braucht man für sowas mehrere Fragen, aber das ist ja jetzt nur ein Beispiel). Die Experimentalgruppe hat an einem neuartigen Anti-Stress-Training teilgenommen, die Kontrollgruppe nicht. Wenn man nun die Mittelwerte der Lebenszufriedenheit in den beiden Gruppen berechnet, dann kommt man für die Kontrollgruppe auf 6,8 - der Durchschnittswert der Experimentalgruppe beträgt 7,3.
So, bis hierher noch alles klar…? Gut. Jetzt stellen wir das mal als Balkendiagramm dar (jeder Balken entspricht dem Mittelwert der Lebenszufriedenheit in der jeweiligen Gruppe) - mit dem ersten Diagramm möchte der Referent zeigen, dass der Effekt des Trainings vernachlässigbar klein ist:

Und jetzt nochmal der gleiche Befund, die gleichen Werte - wenn ihn jemand vorstellt, der darauf hinaus will, dass sich das Training nachhaltig ausgewirkt hat:

Solche Diagramme wie das untere sieht man in Studien des Öfteren. Und bevor ihr jetzt alle den Kopf schüttelt und denkt, so könnte man alles und das Gegenteil beweisen (alle Erkenntnisse der Psychologie sind also potenziell Quatsch ^^), kann ich euch beruhigen: Es gibt ein statistisches Maß, um Mittelwertsunterschiede zu quantifizieren und somit vergleichbar zu machen: Die Effektstärke. Aber jetzt zu erklären, wie man die berechnet, würde den Rahmen dieses Postings sprengen - und ich glaube auch kaum, dass das die drei Leute, die textro regelmäßig lesen (Michael und mich nicht eingerechnet
), auch nur im Geringsten interessiert…! ^^
Ach ja: Sollten sich die besagten drei Leser öfter mal die Mühe machen, auch mal ein Posting zu kommentieren, wäre ich eher motiviert, öfter mal einen Beitrag zu verfassen…! ![]()
am 28. November 2007 um 23:20:41
Ich fands interessant - jetzt bin ich wieder klüger
am 29. November 2007 um 22:40:42
Das Posting fand ich auch ma spannend…Sogar Blog-untypisch vernünftig
am 30. November 2007 um 01:13:29
Danke… vielleicht fallen mir demnächst noch ein paar andere statistische Boshaftigkeiten ein…!
am 5. Dezember 2007 um 01:37:30
http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2005/08/29/AR2005082901444.html
am 13. Dezember 2007 um 13:11:41
Die y-Achse ein Stück zu verschieben ist ja noch ein legitimer Trick, im Vergleich zu dem, was man häufig auf Verpackungen alles lesen muss:
z.b. ein Digramm auf einer Shampoo-Verpackung in der die Zeit gegen den “Glanz” gezeichnet wird, aber die Achsen natürlich keine Einheit haben
…dafür jetzt noch glänzender
ein anderer beliebter trick ist der logarithmische Maßstab…
Ein Wort noch zu Statistik:
Meistens sind diese Untersuchungen eh nur rauschen, weil sie obendrein noch in einer kleinen ( := weniger als 1000 Leute) Gruppe durchgeführt worden, vgl. auch die Diskussion um Atomkraft und Krebs…
@Kommentare
ich schaue schon immer mal wieder vorbei und hinterlasse einen kommentar, sofern mir etwas dazu einfällt…