Yes, we cannot – stop the greed!

Bei Spekulanten denkt man an die Heuschrecken von der Wall Street oder der City of London. Aber die Wirtschaftskrise bringt das Dunkle an den Tag: Die gierigsten Spekulanten sind mitten unter uns – und überall.

Mega-Spekulanten, deren Einsatzhöhe schon mal den Wert einer ganzen Firma betragen kann, finden sich für viele überraschend auch im Ländlichen, ja fast schon Provinziellen.

Dort wo man denkt, dass die Welt noch in Ordnung ist und die Menschen ihr Geld nur mit ehrlicher Arbeit verdienen: Blaubeuren mit seinem Selbstmörder Adolf Merckle, ein unprofessioneller VW-Short-VerSpekulant, und Herzogenaurach mit Maria-Elisabeth “die Gierige” Schaeffler, der EIN Firmenimperium nicht genug war.

Der Familienkonzern Schaeffler hat den Autozulieferer Continental übernommen – und dann damit sich selbst. So dass es sich bei Schaeffler langsam im Wahrsten Sinne des Wortes ausgescheffelt hat.

Interessant auch hier: Wie das Vermögen der Familie Quandt (BMW) wurde auch hier der Grundstock in der Nazizeit gelegt. Große Vermögen entstehen oft in Zeiten des Chaoses, des Umbruchs und der damit verbundenen „neuen ungezügelten Freiheiten und Möglichkeiten“.

Man denke auch an die russischen Oligarchen, die sich Sahnestücke des russischen Reiches (Minen, Banken, Ölfelder) in der Privatisierungswelle der 90er unter den Nagel rissen. Aber da gibt es auch erfolgreiche Aktien-Short-Spekulanten: Wie der Vater von J.F. Kennedy, der die Wirtschaftskrise von 1929 voraussah und weitsichtig auf fallende Aktienkurse spekulierte und damit das Vermögen des Kennedy-Clans begründete.

Aber zurück zu „Deutschland deine Spekulanten“:

Das Schlimme dabei ist, dass diese Firmeninhaber, ob sie wollen oder nicht, automatisch ihre Arbeitnehmer bei den Verhandlungen mit dem Staat um Nothilfen als Geiseln einsetzen: In dem meistens unausgesprochenen aber immer offensichtlichen Sinne: Wenn der Staat unser Firmenimperium mit Steuergeldern nicht rettet, dann werden Tausende arbeitslos (in Geiselgangster-Analogie: Dann bringen wir unsere Geiseln um).

Das bringt die Politiker dann in ein Dilemma: Firma retten mit Steuergeldern oder tausende Arbeitslose mehr, die dann aber auch Steuergelder kosten (Hartz 4 etc.). Als großer Unternehmer mit vielen “Geiseln” hat man deshalb bessere Chancen, Krisen zu überleben als als kleiner Mittelständler mit nur einer Handvoll Angestellten. Größe lohnt also – Big is beautiful.

Ich rege mich nicht nur über die Fehl-Spekulanten auf, sondern auch über die auf, die sich über die aufregen, die an der Krise Schuld sind. Denn ich bin mir sicher, dass viele von den “Aufregern” genauso gierig und unverantwortlich gehandelt hätten, wenn sie auch das Glück, Gerissenheit oder Skrupellosigkeit gehabt hätten in eine Position zu kommen, in der sie ihr Unternehmen, ihre Kunden und/oder den Staat ungestraft hätten ausbeuten können wie ein Parasit seinen Wirt: Wie viele Manager, Vorstände, Aufsichtratsmitglieder und korrupte Politiker das tun: Das Schema ist immer das gleiche: Steigende Management-Gehälter, auch wenn die Firma von diesen niedergewirtschaftet wird.

Viele der „kleinen Leute“ kritisieren die Ausbeuter und halten heuchlerische “Moralvorträge” und tun Gleiches auf ihrer ihnen möglichen “kleinbürgerlichen” Ebene: Versicherungsbetrug, Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit, Tempoüberschreitungen, in ihrem Betrieb öfters mal was mitgehen lassen etc. Das Gleiche wie die “Großen”, aber eben nur in klein. Weit weniger die Allgemeinheit schädigend, aber dennoch im Prinzip, in der “kriminellen Energie” genauso schlecht.

Man muss immer überlegen, was würde der kleine Dieb alles anrichten, wenn man ihm den Schlüssel vom Juweliergeschäft “zuspielen” würde. Bliebe es dann bei einem Klau im Wert von 20 Euro wie gestern beim Supermarkt um die Ecke?

Wahrscheinlich nicht: Gelegenheit macht Diebe. Wenn der “kleine Mann” nicht viel Gelegenheit hat, dann kann er auch nicht viel anrichten. Aber nicht, weil er von der Gesinnung besser wäre als die Wallstreet-BANKster. (Der Massenmörder hatte einfach die effektiveren Tötungsmethoden ist aber moralisch nicht schlechter als der Nur-einmal-Mörder, der nach seiner ersten aus spurentechnischer Sicht dilettantisch ausgeführten Tat gleich eingelocht wird und sonst vielleicht weitergemordet hätte.)

Und jeder, der sich schon mal eine Aktie oder einen Fonds kaufte und auf Kursgewinne im Schlaf hoffte (Gewinne, die nur durch die Verluste anderer Börsenteilnehmer entstehen können), soll bloß ganz ganz leise sein, denn er kann sich in Gierigkeit fast mit den Finanzhazardeuren messen, die die Finanzkrise heraufbeschworen haben.

Denn viele Menschen aus allen Schichten wollen so viel, wie sie bekommen können, egal, wie viel sie schon haben. Und ab und zu kommt dann halt auch mal eine Finanzkrise heraus. Also nicht beschweren und selbst an die Nase fassen:

Die Menschen wollten ja auch möglichst niedrige Kredite für ihre Häuser (auch Zweithäuser, Dritthäuser etc.). Der “kleine“ US-Amerikaner z .B. war verdammt gierig nach billigen Krediten und einem oder mehreren Häusern (ob er sich so was eigentlich leisten kann oder nicht – und das alles möglichst ohne Anzahlung). Dies hat den genauso Gierigen, die eine oder mehre Machtebenen höher mit einem größeren “Hebel” agieren, erst ihr teuflisches Finanzfeuerwerk ermöglicht.

Als die Silvester-Raketen der Geldjongleure den finanziellen Nachthimmel in schillernde Farben tauchten, gab es viel Lob und Applaus. Jetzt, wo der verglühte Abfall auf den Boden aufschlägt, hagelt es Kritik. Die Masse ist wie ein Fähnchen im Wind, sah die „bösen“ Gründe der Kursfeuerwerke nicht, profitierte dabei auch noch reichlich und feierte im Taumel des billigen Kreditgeldes fleißig mit, genauso wie die geblendeten Massen zuerst noch Hitler bejubelten und später verfluchten.

Aber es sind immer die Massen, die durch ihre Begeisterung das Spiel der Schergen erst ermöglichen. Die zunächst noch kleinen Samen des Bösen brauchen fruchtbare Felder, um gedeihen zu können …

Ein ähnliches Spiel beim Fernsehprogramm. Alle schimpfen über die vielen gezeigten Morde im TV. Der Schuldzeiger richtet sich auf die Programmverantwortlichen. Aber dabei sind es die Bürger, die die vielen Morde sehen wollen. Die TV-Sender liefern nur das, was den TV-Gucker beglückt.

Und der will viel Gewalt rezepieren. Schon komisch: Kaum zivilisiert man das Zusammenleben so gut wie möglich (d.h. die real erlebte Gewalt nimmt ab), muss die anscheinend nötige Grunddosis Gewalt zum Glücklichsein auf andere Art dem Homo Sapiens zugeführt werden (Gladiotorenspiele im Rom, TV, Computerspiele …). Vielleicht ein Indiz, dass wir immer noch zum (Gehirn-)Teil (Raub-)Tiere sind. Und viel gierigere (wie unten gezeigt wird) als unsere tierischen „Artgenossen“ dazu.

Aber die liebe Gier soll man per se auch nicht verteufeln. Gehört sie doch zu den Triebfedern der Evolution. Wo z.B. keine Gier nach Leben, da auch kein Leben.

Eine Löwe reißt eine Antilope = Gier nach Leben im Sinne von Hunger.

Anscheinend hat der Mensch eine größere Portion angeborener Gier in der Phylogenese mitbekommen als alle anderen Arten. Das kann der Grund dafür sein, dass er sie auch alle mehr oder minder unterjocht, ausbeutet und zum Teil auch zum Aussterben bringt.

Ein Löwe reißt EINE Antilope (Hunger). Viele Menschen erlegen so viele Tiere wie nur irgendwie möglich (Gier). Eines wird gegessen. Die anderen werden verkauft und dadurch mehr und mehr Reichtum für den menschlichen Jäger geschaffen.

Der Löwe dagegen denkt nur an sich (seinen Körper) in endlicher Weise. Der Mensch auch an seinen Geist (Geld, Macht, je mehr, desto besser) in einer Art “unendlichen Weise”.

Schon oft bewiesen: Abschlachtung südamerikanischer Ureinwohner durch die spanischen Eroberer im Rausch nach Gold. Oder: Fast völlige Ausrottung des amerikanischen Büffels durch die europäischen Eroberer im Rausch nach Sensation, Blut und Geld. Und jetzt gerade geht´s den ozeanischen Fischbeständen an den Kragen …

Greed ist good, aber nicht in Massen, eben nur im Maßen. Und dieses gesunde Maß einzuhalten, ist eine immerwährende große Aufgabe. Was aber nicht allzu leicht ist, weil die allerdümmsten Kälber ihre Schlächter selbst wählen.

Wie konnte sonst Bush an die Macht kommen. Und Bush hat zusammen mit dem ihm verbundenen industriell-militärischen Komplex “sein” ganzes Land ausgesaugt wie ein Parasit seinen Wirt (via Anzettelung eines viele Aufträge und Profite für bestimmte Industrien (Aktionärsgewinne für wenige) generierenden Krieges, den die Allgemeinheit (die Steuerzahler) bezahlen müssen.

Ich und viele mögen das ganze von der Evolution vorgegebene System nicht (und würden gern was ändern, wenn es nur nicht so schwer wäre): Der Schnellere, Stärkere, Mächtigere, Reiche, Clevere gewinnt gegen den Unterlegenen. Die „Dschungel-Gesetze“ des Fressens und Gefressenwerden gelten noch immer für den Menschen.

Nicht verwunderlich, stammt er doch aus dem Tierreich irgendwie. Nur dass heutzutage durch Gesetze und mehr Wohlstand und Zivilisation das Recht des Stärkeren, das Fressen des anderen, nicht mehr so häufig in seiner brutalen ursprünglichen Art vorkommt.

Diese „Kampftriebe“ werden heute subtiler ausgelebt: In sportlichen und finanziellen Wettkämpfen (höher, schneller, weiter, reicher). In Geiz und Gier in all seinen Ausprägungen. Auch hier wieder dasselbe Verhalten im Prinzip in verschiedenen Größendimensionen. Der „kleine Mann“, z.B. ein typisch deutscher Schäppchenjäger, würde aus sparsamen Geiz am liebsten noch an der ALDI-Kasse das große Feilschen anfangen. Und aus reiner Gier spielt er Lotto, will die Millionen, dass der Zasterlaser bei ihm zu Hause vorfährt.

Und das ganze nur in Groß: Der Vorstandsvorsitzende eines Dax-Unternehmens genehmigt sich gierig ein Millionengehalt und ist aber sehr sparsam (geizig) bei den Gehaltserhöhungen der kleinsten Mitarbeiter-Rädchen im Getriebe der Firma.

Find ich alles nicht gut. Hab ich auch nicht erfunden. Die Evolution war´s. Aber ohne Evolution wär vielleicht auch alles nichts. Die evolutionären „Wettbewerbsgesetze“, die im Genom der Lebewesen eingemeiselt sind, sind auch dran Schuld, dass sich an dem System des Ausbeutens und Ausgebeutetwerdens in einigen Bereichen des Zusammenlebens nie was ändern wird. (Ich stelle es hier alles etwas zu dramatisch dar, denn es gibt ja auch Oasen der Güte und Gerechtigkeit, die von Menschen „betrieben“ werden, die sich der Vernunft und Moral verpflichtet fühlen.) Denn der Ausgebeutete wird wahrscheinlich selbst zum Ausbeuter, wenn er erst mal die Möglichkeit dazu bekommt (vom scheinbaren Paulus zum Saulus).

Der vormals Ausgebeutete, der sich hochgearbeitet hat, könnte ja jetzt auch sagen: „Jetzt, wo ich an der Macht bin, mache ich es anders wie meine Vorgänger.“ So was kommt aber selten vor. Denn der Mensch ist gierig und nutzt seine Chancen. Wenn er wenig hat, will er es von den anderen. Wenn er vieles hat, möchte er möglichst nichts davon abgeben, egal wie viel er hat (Beispiel Zumwinkel).

Dieses Verhalten muss anscheinend in den Genen verwurzelt sein, weil es überall zu jeder Zeit so häufig auftritt. Zum Beispiel auch beim Wahlverhalten: Viele junge Erwachsene, die sich erst noch den Platz in der Gesellschaft und das große Geld erkämpfen müssen, können sich für die Ideen des Sozialismus begeistern: Schön, wenn die Reichen allen (auch mir) was abgeben würden, dass jeder was vom „Volkseigentum“ hat. Gewählt wird dann folgerichtig und sachdienlich schwer links. (Konrad Adenauer: „Alles was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von anderen haben wollen“.)

Unter den älteren Menschen befinden sich dann immer mehr, die es „geschafft“ haben und größere Ersparnisse und manchmal auch ein richtiges Vermögen anhäufen konnten. Diese wählen dann natürlich „rechts“, um möglichst wenig vom (neuerworbenen) Reichtum an die Allgemeinheit abgeben zu müssen. (Was in einer Gesellschaft mit einem immer höheren Prozentsatz alter Menschen auch die Politik maßgeblich beeinflussen und zu sozialen Spannungen führen könnte.)

Die Wahl von Obama ist die Reue von Bushs Wahl. Obama scheint auf einem höheren Wertesystem angesiedelt zu sein, aber auf einem niedrigen wirtschaftlichen Verständnis. Er will die Wirtschaft ankurbeln mit neuen Geldmitteln aus Verschuldungsexzessen.

Hat also nichts von (Wirtschafts-)zyklen verstanden. Alles läuft in Zyklen. Und das ist auch gut so. Die „arme“ Wirtschaft lässt man aber nicht: Nach einem Aufschwung muss sofort der nächste kommen. Dabei wäre jetzt eine die Selbstsreinigungskräfte stimulierende längere Abschwungsphase angezeigt und angebracht. Ganz normal, ganz natürlich wie Aktivität und Schlaf sich bei den Lebewesen abwechseln. Die Wirtschaft ist aber ein Wesen, dem man den regenerierenden Schlaf leider nicht gönnt.

Bis die Schlafschuld immer größer wird und sich der Schlaf gewaltsam geholt wird und das dann ohne Rücksicht auf Verluste: Die Wirtschaft muss wie ein Techno-Party-Gänger 24 Stunden durchtanzen. Das schafft er anfangs auch ohne große Ermüdungsphasen, weil er sich immer wieder rechtzeitig Stimulanzien einwirft (Konkjunkturpakete), doch am Schluss bricht er erschöpft bewusstlos zusammen …

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